Eichhörnchen und Kinder: 
5 Lektionen aus dem Wald

Dieser Artikel zeigt, was Grundschulkinder vom Eichhörnchen lernen können:
fünf kleine Lektionen über Mut, Geduld, Körpergefühl und Vorbereitung – leicht in den Familienalltag integrierbar.

 

Eichhörnchen und Kinder passen erstaunlich gut zusammen. Denn kaum ein anderes Waldtier zeigt so deutlich,
was Kinder zwischen 5 und 8 Jahren innerlich gerade lernen: Mut in kleinen Schritten. Vertrauen in den eigenen Körper.
Vorbereitung statt Perfektion. Und weitermachen, auch wenn etwas nicht sofort klappt. 

 

Kurz gesagt: Eichhörnchen sind ideale Naturlehrer für Kinder. Ihr Verhalten macht wichtige innere Fähigkeiten sichtbar:

  • wie Mut entsteht
  • warum Vorbereitung Sicherheit gibt
  • wie wichtig Körpergefühl ist
  • und dass Fehler zum Lernen dazugehören

Das Besondere daran:
Kinder verstehen diese Lektionen nicht über Erklärungen – sondern über Beobachtung und eigenes Erleben.

Vier einfache Rituale helfen dabei, diese Erfahrungen spielerisch in den Familienalltag zu holen.

 

Zum Artikel gibt es ein kostenloses Mitmachheft: drei Aufgaben, mit denen Kinder zwischen 5 und 8 Jahren den Wald mit allen Sinnen entdecken — genau wie ein Eichhörnchen. Als NaturPost-Abonnentin kostenlos zum Ausdrucken verfügbar: NaturPost anmelden

September 2025

Was Kinder von Eichhörnchen lernen

Kinder lernen die Welt nicht nur über Worte. Sie lernen über Bilder, Bewegung und eigenes Erleben.

Und genau deshalb sind Eichhörnchen so faszinierende Lehrer.

Ihr Verhalten ist leicht zu beobachten, wiederholt sich oft und macht wichtige Fähigkeiten sichtbar, die Kinder in diesem Alter gerade selbst entwickeln. 

Was ihr Verhalten so lehrreich macht:

Klare Abläufe geben Sicherheit:

Eichhörnchen sammeln, verstecken, suchen und probieren immer wieder neu. Kinder verstehen solche Muster intuitiv.
Sie erleben: Lernen passiert durch Wiederholen – nicht durch Perfektion.

Fehler gehören dazu: 

Nicht jedes Versteck wird wiedergefunden. Nicht jeder Sprung klappt perfekt. Und trotzdem machen Eichhörnchen weiter. Das vermittelt Kindern etwas Wichtiges: Fehler bedeuten nicht „Ich kann das nicht“. Sondern: „Ich übe noch.“

Der Körper darf mitlernen:

Eichhörnchen bewegen sich spielerisch, schnell und voller Körperspannung. Beim Beobachten, Balancieren oder Klettern lernen Kinder selbst:

  • Gleichgewicht
  • Körpergefühl
  • Koordination
  • Vertrauen in die eigene Bewegung

Pausen sind normal:

Eichhörnchen ruhen sich aus, wenn ihr Körper es braucht. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne „noch schnell weitermachen“.

Auch das ist eine wichtige Botschaft für Kinder: Der Körper darf Grenzen haben.

Für Kinder zwischen 5 und 8 Jahren ist das ein ideales Lernfeld. In diesem Alter entwickeln sich besonders stark: Mut und Risikobereitschaft, Selbstständigkeit und Eigeninitiative, Körperkoordination und Balance, Konzentration und Ausdauer, das Gefühl der Selbstwirksamkeit –„Ich kann etwas aus eigener Kraft.“

 Eichhörnchen zeigen all diese Fähigkeiten. Sichtbar. Greifbar. Kindnah

Kinder brauchen nicht nur Menschen, von denen sie lernen können.
Manchmal brauchen sie einfach ein Eichhörnchen.

Was Eichhörnchen im Herbst tun – Naturwissen kindgerecht erklärt

Im Herbst sind Eichhörnchen besonders beschäftigt.

Sie sammeln Vorräte, klettern viel und achten ständig darauf, was ihr Körper braucht.
Dabei zeigen sie Kindern ganz nebenbei wichtige Dinge über Vorbereitung, Bewegung und Vertrauen in den eigenen Körper.

Das sind ihre sechs Hauptaktivitäten:

1. Vorräte sammeln

Eichhörnchen sammeln:

  • Haselnüsse
  • Walnüsse
  • Eicheln
  • Bucheckern
  • Samen und Knospen

So bereiten sie sich Schritt für Schritt auf den Winter vor.

2. Viele kleine Verstecke anlegen

Statt eines großen Vorratslagers verstecken Eichhörnchen ihre Nahrung an vielen verschiedenen Orten.

Manchmal hunderte kleine Verstecke im Wald.

Das schützt sie davor, alles auf einmal zu verlieren.

3. Verstecke wiederfinden

Das Faszinierende:
Eichhörnchen finden viele ihrer Verstecke über den Geruchssinn wieder. Sie „erschnüffeln“ ihre Vorräte unter Blättern oder Schnee.

4. Klettern, springen und balancieren

Jeden Tag trainieren Eichhörnchen:

  • Gleichgewicht
  • Koordination
  • Muskelkraft
  • Mut

Und das spielerisch – einfach durch Bewegung.

5. Pausen machen

Eichhörnchen ruhen sich aus, wenn ihr Körper es braucht.

Ohne schlechtes Gewissen.
Ohne Zeitdruck.

Auch das gehört zur Natur.

6. Winterruhe statt Winterschlaf

Eichhörnchen halten keinen echten Winterschlaf.

Sie schlafen im Winter zwar viel,
wachen aber alle paar Tage auf, um zu essen und sich zu bewegen.

Ein faszinierendes Detail

Ein Eichhörnchen kann bis zu 10.000 Nüsse pro Jahr verstecken. Und nicht alle findet es wieder.

Aus den vergessenen Nüssen wachsen später oft neue Bäume.

Das bedeutet: Ohne es zu merken, helfen Eichhörnchen dem Wald beim Wachsen.

Eichhörnchen zeigen Kindern:
Wachstum entsteht nicht durch Perfektion – sondern durch Ausprobieren, Wiederholen und Dranbleiben.

Die 5 wichtigsten Lektionen für Kinder

Lektion 1: Mut in kleinen Schritten – was das Eichhörnchen zeigt

Eichhörnchen prüfen jeden Sprung.

Sie testen den Ast, balancieren vorsichtig, schätzen die Entfernung ein – und bewegen sich erst dann mutig vorwärts.

Was Kinder daraus lernen:

✓ Mut ist kein Schalter, den man umlegt
✓ Mut ist ein Prozess: testen → üben → trauen
✓ Kleine Schritte sind genauso mutig wie große
✓ Ausprobieren macht stark, nicht perfekt sein

Im Alltag bedeutet das:

Dein Kind muss nicht sofort vom höchsten Klettergerüst springen. Es darf erst die erste Sprosse testen, dann die zweite, dann die dritte. Jeder Schritt zählt.

Satz für dein Kind:
"Du darfst so mutig sein, wie es sich für dich richtig anfühlt."

Lektion 2: Vorbereitung gibt Sicherheit – die Eichhörnchen-Lektion

Eichhörnchen sammeln ohne Druck.

Sie haben keinen perfekten Plan. Einige Verstecke gehen verloren – völlig normal. Aber insgesamt haben sie genug.

Was Kinder daraus lernen:

✓ Vorbereitung macht stolz
✓ Es geht nicht um Perfektion
✓ Viele kleine Schritte ergeben Erfolg
✓ Nicht alles muss klappen

Im Alltag bedeutet das:

Wenn dein Kind morgens seine Sachen für die Kita packt, muss nicht alles perfekt sein. Es reicht, wenn es sich bemüht hat. Auch wenn die Lieblings-Trinkflasche vergessen wurde – das ist okay und passiert Eichhörnchen auch.

Satz für dein Kind:
"Du hast dich vorbereitet – das ist schon ein Erfolg."

Lektion 3: Körpergefühl als Superkraft – was Eichhörnchen spüren

Eichhörnchen vertrauen ihrem Körper.

Sie spüren Balance, Energie, Hunger, Müdigkeit und Pausenbedarf – und handeln danach.

Was Kinder daraus lernen:

✓ "Mein Körper sagt mir etwas"
✓ "Ich darf auf mein Körperflüstern hören"
✓ "Ich darf ausprobieren, was sich gut anfühlt"
✓ "Pausen sind wichtig, nicht Schwäche"

Im Alltag bedeutet das:

Wenn dein Kind sagt "Ich bin müde" oder "Ich habe Hunger" oder "Das fühlt sich komisch an" – dann ist das eine wichtige Information, keine Störung.

Kinder, die ihren Körper spüren, können besser:

  • Grenzen setzen
  • Gefahren einschätzen
  • Sich selbst regulieren
  • Selbstbewusst auftreten

Satz für dein Kind:
"Dein Körper weiß, was er braucht. Hör ihm zu."

Lektion 4: Fehler gehören dazu

Eichhörnchen finden nicht alle Verstecke wieder.

Manche Nüsse vergessen sie, manche werden von anderen Tieren gefunden, manche verrotten. Und sie machen einfach weiter.

Was Kinder daraus lernen:

✓ Fehler sind normal, nicht schlimm
✓ Wiederholen bringt Sicherheit
✓ Nicht alles muss klappen
✓ Aus Fehlern entstehen manchmal neue Dinge (vergessene Nüsse werden zu Bäumen!)

Im Alltag bedeutet das:

Wenn dein Kind beim Malen über den Rand malt, beim Bauen der Turm umfällt oder beim Anziehen die Socken verkehrt herum sind – das ist kein Drama, sondern normale Entwicklung.

Satz für dein Kind:
"Auch Eichhörnchen finden nicht jede Nuss wieder. Trotzdem machen sie weiter."

Lektion 5: Geduld darf wachsen

Eichhörnchen sammeln heute, was sie erst Wochen oder Monate später brauchen.

Sie sehen die Nuss jetzt – aber essen sie nicht sofort. Sie verstecken sie für den Winter.

Was Kinder daraus lernen:

✓ Geduld lohnt sich
✓ Warten fühlt sich gut an, wenn man weiß, wofür
✓ Nicht alles muss sofort passieren
✓ Spätere Freude ist auch schön

Im Alltag bedeutet das:

Für Kinder wird Geduld dadurch spürbar – statt abstrakt erklärt.

"Die Nuss ist für später" ist für ein 5-jähriges Kind verständlicher als "Du musst geduldig sein."

Satz für dein Kind:
"Manche schönen Dinge kommen später – und das ist auch gut so."

Eichhörnchen-Spiele und Rituale für Kinder

Diese Rituale sind einfach, spielerisch und sofort machbar – ohne Material, ohne Vorbereitung.

So geht's:

  • 5-mal leise springen
  • 5-mal weit springen
  • 5-mal mutig springen

Wann: Ideal vor der Kita, vor dem Essen, vor dem Lernen oder beim Frustabbau

 

Warum das hilft:
Bewegung reguliert das Nervensystem. Kinder, die sich bewegen dürfen, können sich danach besser konzentrieren. Die Steigerung (leise → weit → mutig) gibt eine klare Struktur.

 

Dauer: 2-3 Minuten

 

Variante: Draußen über Pfützen, Linien oder Schatten springen

Ritual 1: Der Eichhörnchen-Sprung

Ritual 2: Das Nuss-Versteck-Spiel

So geht's:

  • 3 kleine Dinge verstecken (Kastanien, Steine, Spielzeug)
  • 3 Dinge suchen
  • Wer findet alle?

Wann: Beim Spaziergang, im Garten, im Kinderzimmer

 

Warum das hilft:
Stärkt Geduld, räumliche Orientierung, Konzentration und Merkfähigkeit. Kinder üben, sich etwas zu merken und später wiederzufinden – wie Eichhörnchen.

 

Dauer: 5-10 Minuten

 

Bonus: Tauscht die Rollen – mal versteckt das Kind, mal du

Ritual 3: Wo würdest du deine Nuss verstecken?

Ritual 3: Wo würdest du 
deine Nuss verstecken?

So geht's:

Beim nächsten Spaziergang stellst du kleine Fragen:

  • "Wo könnte ein gutes Versteck sein?"
  • "Wie würdest du deine Nuss vor Regen schützen?"
  • "Welcher Platz ist sicher vor anderen Tieren?"

Wann: Bei jedem Waldspaziergang oder im Park

 

Warum das hilft:
Kinder entdecken Sträucher, Baumlöcher, Wurzeln und Moos plötzlich ganz neu. Natur wird lebendig und voller Geheimnisse. Sie lernen, die Umgebung mit anderen Augen zu sehen.

 

Dauer: Läuft nebenbei beim Spazieren

Ritual 4: Das 
Winter-Vorratsglas

So geht's:

  • Nehmt ein leeres Glas
  • Jeder schreibt kleine Winterfreuden auf Zettel (oder malt sie)
  • Beispiele: "Kakao trinken", "Schneemannbauen", "Kuschelzeit"
  • Zettel ins Glas
  • Wenn der Alltag schwer wird → einen Zettel ziehen

Wann: Im Herbst vorbereiten, im Winter nutzen

 

Warum das hilft:
Kinder lernen, dass Vorbereitung ein gutes Gefühl gibt. Sie sammeln jetzt "Vorräte" für schwierigere Tage – genau wie Eichhörnchen. Das Ritual gibt Sicherheit und Vorfreude.

 

Dauer: 10-15 Minuten zum Vorbereiten

Gratis Mitmachheft

Wenn ihr die Erfahrungen aus diesem Artikel noch weiter vertiefen möchtet: Ich habe ein kostenloses Mitmachheft zusammengestellt — mit drei Aufgaben rund ums Sammeln, Sinne spüren und Beobachten, die dein Kind selbst ausprobieren kann. Es kommt direkt zu dir, wenn du dich für die NaturPost anmeldest.

Eichhörnchen mit Kindern beobachten

Ein Eichhörnchen in freier Natur zu entdecken, ist für viele Kinder ein ganz besonderer Moment.

Denn plötzlich wird der Wald lebendig:
Da raschelt etwas.
Da springt etwas.
Da bewegt sich ein Tier blitzschnell von Ast zu Ast.

Und genau dieses Beobachten hat etwas Beruhigendes. Kinder werden langsamer, aufmerksamer und ganz im Moment. 

Wann kann man Eichhörnchen am besten beobachten?

Eichhörnchen sind besonders aktiv:

Im Herbst (September bis November)

Dann sammeln sie Vorräte für den Winter und sind viel unterwegs.

Im Frühling (März bis Mai)

Auch in dieser Zeit sind sie sehr aktiv.

Die beste Tageszeit

Am häufigsten sieht man Eichhörnchen:

  • morgens zwischen 7 und 10 Uhr
  • oder spätnachmittags zwischen 16 und 18 Uhr

Mittags ruhen viele Tiere eher. Ideal ist trockenes, ruhiges Wetter ohne starken Wind.

Die besten Orte zum Beobachten

Besonders gute Chancen habt ihr hier:

  • Parks mit alten Bäumen
  • Waldränder
  • ruhige Friedhöfe
  • Gärten mit Haselnusssträuchern
  • Orte in der Nähe von Vogelfutterstellen

Waldränder sind oft ideal, weil man dort mehr sehen kann als mitten im dichten Wald.

Tipps fürs Beobachten mit Kindern

Das Wichtigste ist: ruhig werden. Nicht perfekt still sein – natürliche Bewegungen sind völlig okay.

Hilfreich ist:

  • auf einer Bank sitzen bleiben
  • Geduld mitbringen
  • einfach gemeinsam schauen und warten

Oft reichen schon 5 bis 10 Minuten. Wichtig:

  • nicht hinterherlaufen
  • nicht anfassen
  • nicht füttern

Wer mit Kindern Eichhörnchen beobachtet, entdeckt oft noch etwas anderes:
Wie gut es tut, einfach mal gemeinsam still zu werden.

Vanessa Färber, Gründerin von Bärenschmausi – Entdeckerwelt für Körperbewusstsein und Selbstregulation

Über die Autorin

Ich bin Vanessa, Mama eines Kleinkindes, und beschäftige mich intensiv mit kindlicher Entwicklung, Stress und emotionalem Verhalten im Alltag. Auf diesem Blog bereite ich Erkenntnisse aus Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung verständlich auf und verbinde sie mit meinen eigenen Erfahrungen als Mutter. Mein Fokus liegt auf Kindern im Alter von 5 bis 8 Jahren, da hier viele emotionale Herausforderungen erstmals sichtbar werden.

Das passende Mitmachheft zum Artikel gibt's kostenlos — direkt nach der Anmeldung zur NaturPost in dein Postfach. 

Häufige Fragen zu Eichhörnchen und Kindern

Warum lieben Kinder Eichhörnchen?

Kinder lieben Eichhörnchen, weil sie schnelle, klare Bewegungen zeigen, die leicht zu verstehen sind. Eichhörnchen sind klein und damit nicht bedrohlich, flink und damit faszinierend – und sie zeigen Verhaltensweisen, die Kinder nachvollziehen können: sammeln, verstecken, suchen, springen. Für Kinder zwischen 5 und 8 Jahren wirken Eichhörnchen wie kleine Bewegungshelden des Waldes. 

Was essen Eichhörnchen im Herbst?

Im Herbst sammeln Eichhörnchen hauptsächlich Haselnüsse, Walnüsse, Bucheckern, Eicheln, Samen und Knospen. Ein Eichhörnchen kann bis zu 10.000 Nüsse pro Jahr verstecken und findet etwa 85 Prozent davon wieder. Die restlichen 15 Prozent werden oft zu neuen Bäumen – das Eichhörnchen ist damit unbeabsichtigt ein Waldgärtner.

Quellen & weiterführende Literatur 

  • Bratman, G. N. et al. (2019). Nature and mental health: An ecosystem service perspective. Science Advances, 5(7). doi:10.1126/sciadv.aax0903 
  • Louv, R. (2005). Last Child in the Woods: Saving Our Children from Nature-Deficit Disorder. Algonquin Books. 
  • NABU (Naturschutzbund Deutschland): EichhörnchenNaturwissen und Schutz. nabu.de 
  • Renz-Polster, H. & Hüther, G. (2013). Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum. Beltz Verlag. 

Letzte Aktualisierung Mai 2026
 

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