Kinderyoga
6 einfache Übungen für Kinder zwischen 
5 & 8 Jahren nach der Schule

Kinder brauchen nach der Schule oft keine Beschäftigung – sondern Ruhe für ihr Nervensystem. Kinderyoga hilft dabei, Spannung abzubauen, den Körper wieder zu spüren und langsam aus dem Schulstress herauszufinden.

 

Die kleine Kinderyoga-Waldreise mit allen Übungen kannst du dir kostenlos herunterladen und gemeinsam mit deinem Kind nach der Schule ausprobieren.

 

In diesem Artikel erfährst du:

→ warum Kinder nach der Schule oft gereizt reagieren
→ wie Kinderyoga das Nervensystem beruhigt
→ warum Körpergefühl für Selbstregulation so wichtig ist
→ welche Übungen Kindern zwischen 5 und 8 Jahren helfen
→ und wie eine kleine Waldreise die Übungen spielerisch begleitet

 

Warum Kinder nach der Schule kein Programm brauchen – sondern Körperkontakt 

Dein Kind kommt nach Hause – und plötzlich ist alles zu viel. Türen knallen. Hausaufgaben werden zum Streit.
Das Essen schmeckt „falsch“. Und Kleinigkeiten führen sofort zu Tränen oder Wut.

Was von außen wie schlechte Laune wirkt, hat oft einen anderen Ursprung: Das Nervensystem deines Kindes ist nach dem Schultag einfach erschöpft.

Kinder zwischen 5 und 8 Jahren verbringen jeden Tag viele Stunden in einer Umgebung, die dauernde Anpassung verlangt:

  • still sitzen
  • zuhören
  • Konflikte aushalten
  • Regeln einhalten
  • Gefühle kontrollieren

Das kostet enorme Energie. Besonders der Teil des Gehirns, der für Impulskontrolle und Selbststeuerung zuständig ist, entwickelt sich in diesem Alter noch. Was das bedeutet: Die Ressourcen sind am Nachmittag aufgebraucht. Dein Kind, das du um 14 Uhr empfängst, funktioniert anders als das Kind, das morgens das Haus verlassen hat. Das ist kein Trotz – das ist Physiologie. 

Deshalb brauchen viele Kinder nach der Schule nicht sofort Gespräche oder weitere Anforderungen – sondern erst einmal Sicherheit im Körper.
Eine Umarmung.
Ruhe.
Nähe.

Kinderyoga setzt genau dort an:
nicht als Beschäftigung oder Disziplinierung, sondern als sanfter Übergang vom Schulstress zurück in den eigenen Körper.

Was Kinderyoga im Körper bewirkt 
– und warum Tierübungen so gut funktionieren

Kinderyoga hilft Kindern nicht nur, sich zu bewegen.
Es hilft ihrem Nervensystem, nach einem anstrengenden Tag wieder zur Ruhe zu kommen.

Dabei wirken drei Dinge zusammen:

  • Bewegung
  • bewusste Atmung
  • und Aufmerksamkeit für den eigenen Körper

Studien zeigen, dass regelmäßiges Kinderyoga Stress reduzieren und die Konzentration verbessern kann.
Tierübungen funktionieren dabei besonders gut. Warum? Weil Kinder über Bilder und Geschichten lernen.„Atme tief ein“ ist für viele Kinder abstrakt.

„Sei ein Igel, der sich einrollt“ versteht der Körper sofort. Die Bewegung bekommt eine Bedeutung und dadurch fällt es Kindern leichter, ihren Körper bewusst wahrzunehmen.

Auch Co-Regulation spielt dabei eine wichtige Rolle. Wenn du dich ruhig neben dein Kind setzt oder mitmachst,
überträgt sich deine Ruhe auf sein Nervensystem. Nicht durch Erklärungen. Sondern durch gemeinsame Körpererfahrung.

5 Kinderyoga-Übungen nach der Schule – mit Kurzgeschichte

Diese Übungen sind für Kinder zwischen 5 und 8 Jahren einfach umsetzbar – ohne Vorkenntnisse, ohne Ausrüstung und ohne Leistungsdruck.

Gemeinsam ergeben sie eine kleine Körperreise durch den Wald:
Erst darf der Körper Spannung loswerden und wieder in Bewegung kommen. Danach helfen ruhigere Übungen dem Nervensystem, Schritt für Schritt herunterzufahren.

Die Geschichte verbindet Bewegung, Fantasie und Körperwahrnehmung – genau das hilft Kindern in diesem Alter besonders gut.

Du kannst die Geschichte langsam vorlesen und die Bewegungen gemeinsam mit deinem Kind machen. Wichtig ist nicht, dass die Übungen „perfekt“ aussehen. Entscheidend ist, dass dein Kind sich sicher fühlt und seinen Körper bewusst wahrnimmt.

Gesamtdauer: etwa 10 bis 15 Minuten.

 

„Stell dir vor, wir gehen jetzt zusammen in einen ruhigen Wald. Dort wohnen verschiedene Tiere. Jedes Tier hilft unserem Körper dabei, langsam wieder ruhig zu werden.“

1. Der Löwe – Spannung rauslassen

Dein Kind stellt sich hüftbreit hin und beginnt zuerst, Arme, Beine und Schultern locker auszuschütteln – als würde es Regentropfen abschütteln. Danach tief einatmen, den Mund weit öffnen und beim Ausatmen laut wie ein Löwe „Aaaah!“ brüllen. Drei- bis fünfmal wiederholen.

Was diese Übung bewirkt

Viele Kinder tragen nach der Schule noch Anspannung im Körper. Schütteln hilft dem Nervensystem, überschüssige Energie loszuwerden. Die starke Ausatmung entspannt zusätzlich Kiefer, Schultern und Brustkorb.

Was du sagen kannst

„Am Waldrand treffen wir zuerst den Löwen. Er schüttelt alles ab, was ihn genervt hat. Magst du mit ihm alles ausschütteln, was heute zu viel war?“

2. Der Baum – Gleichgewicht und Ankommen

Dein Kind stellt sich aufrecht hin, hebt ein Bein und legt den Fuß an das Schienbein oder den Knöchel – je nachdem, was stabil ist. Die Arme wachsen langsam nach oben wie Äste. 20 Sekunden halten, dann die Seite wechseln.

Was diese Übung bewirkt

Gleichgewichtsübungen helfen Kindern, aus dem Gedankenchaos zurück in den Körper zu kommen. Die Aufmerksamkeit richtet sich automatisch auf den Moment.

Was du sagen kannst

„Jetzt gehen wir ein Stück weiter in den Wald. Vor uns steht ein großer Baum. Seine Wurzeln halten ihn fest, auch wenn es windig wird. Komm wir probieren es mal aus. Wir stehen wie der Baum ganz fest und spüren die Wurzeln an unseren Füßen.“

3. Der Käfer – Körpergefühl und Weite

Dein Kind legt sich flach auf den Boden, Arme und Beine weit ausgestreckt. Die Handflächen zeigen nach oben. Drei tiefe Atemzüge nehmen und spüren, wie sich Bauch und Brust bewegen.

Was diese Übung bewirkt

Nach einem langen Schultag erleben viele Kinder hier zum ersten Mal wieder bewusst ihren ganzen Körper. Die offene Haltung vermittelt Weite und Entspannung.

Was du sagen kannst

„Weiter geht’s auf eine ruhige Waldlichtung. Dort liegt ein kleiner Käfer im warmen Gras und ruht sich aus.
Wir legen uns auch hin, ganz still, und spüren Arme, Beine und unseren Atem. Kannst du fühlen, welche Körperstellen den Boden berühren?“

4. Der Igel – Schutz und Ruhe

Dein Kind hockt sich hin, zieht die Knie zur Brust und macht sich ganz klein. Die Arme umfassen die Beine, der Kopf sinkt nach vorne. Ruhig atmen und etwa 20 Sekunden halten.

Was diese Übung bewirkt

Die Haltung vermittelt Sicherheit und hilft dem Nervensystem, herunterzufahren. Gleichzeitig wird der Rücken nach langem Sitzen sanft gedehnt.

Was du sagen kannst

„Jetzt raschelt es im Gebüsch. Ein kleiner Igel rollt sich vorsichtig zusammen, weil er Ruhe braucht. Wir machen uns auch ganz klein und spüren, wie sicher sich das anfühlt.“

5. Das Krokodil – Bauchatmung und Entspannung

Dein  Kind legt sich auf den Bauch und legt die Stirn auf die Hände. Beim Einatmen drückt der Bauch leicht gegen den Boden, beim Ausatmen entspannt er sich wieder. Sechs bis acht ruhige Atemzüge.

Was diese Übung bewirkt

Die Bauchlage hilft Kindern, ihren Atem besser zu spüren. Langsames Atmen signalisiert dem Nervensystem:
Du bist sicher. Du kannst entspannen.

Was du sagen kannst

„Am Ende unserer kleinen Reise kommen wir an einen stillen See. Dort liegt ein Krokodil ganz ruhig in der Sonne.
Es bewegt sich fast gar nicht. Nur sein Bauch hebt und senkt sich langsam beim Atmen.“

6. Der Schmetterling – Loslassen und Ausruhen

Dein Kind setzt sich hin, bringt die Fußsohlen zusammen und lässt die Knie locker nach außen fallen. Die Hände halten die Füße. Zehn ruhige Atemzüge nehmen und danach einfach kurz still sitzen.

Was diese Übung bewirkt

Die letzte Übung hilft dem Körper, wirklich anzukommen. Besonders wichtig ist der Moment danach: nichts leisten, nichts müssen, einfach nur sein.

Was du sagen kannst

„Zum Schluss landet ein Schmetterling neben dir. Ganz leicht. Ganz ruhig. Jetzt musst du nichts mehr tun. Du darfst einfach nur da die Stille hören.“

Gratis Mitmachheft

Damit die Übungen im Alltag ankommen, habe ich eine kleine Kinderyoga-Waldreise zum Ausdrucken vorbereitet — mit Bärenschmausi als Begleiter durch alle Posen. Dein Kind kann sie selbst in die Hand nehmen und loslegen.

Das Heft kommt direkt zu dir, wenn du dich für die NaturPost anmeldest — meinen Newsletter für Eltern, die ihr Kind bewusst durch den Alltag begleiten möchten.

Für mehr Körpergefühl im Alltag

Wenn du dein Kind dabei unterstützen möchtest, Gefühle und Körpersignale früher wahrzunehmen, setzt der Bauch-Kompass genau dort an.

Das Entdecker-Set hilft Kindern zwischen 5 und 8 Jahren spielerisch dabei, innere Signale besser zu verstehen – mit Übungen, Materialien und einfachen Impulsen für den Alltag.

Was du als Elternteil tun kannst – und was du besser lässt 

Das Wichtigste beim Kinderyoga ist nicht, alles perfekt anzuleiten.

Das Wichtigste ist: mit deinem Kind gemeinsam ruhig zu werden.

Kinder regulieren sich besonders gut über Verbindung. Deshalb hilft es oft mehr, die Übungen einfach mitzumachen, statt sie zu erklären oder zu korrigieren.

Du musst nichts vormachen „wie im Yoga-Kurs“. Es reicht, ruhig daneben zu sein und gemeinsam durch die kleine Körperreise zu gehen. 

Weniger hilfreich ist:

  • Druck machen
  • die Übungen zur Pflicht machen
  • Bewegungen korrigieren
  • oder direkt danach viele Fragen stellen

Das Nervensystem braucht nach den Übungen oft noch etwas Übergangszeit. Nicht sofort:
„Und wie war jetzt die Schule?“

Sondern erst einmal: Ruhe und Durchatmen.

So kann das im Alltag aussehen

Du legst zwei Decken auf den Boden und sagst einfach: „Wollen wir heute eine kleine Tierreise machen?“

Dann beginnst du die Geschichte vorzulesen. 
Viele Kinder zwischen 5 und 8 Jahren machen automatisch mit, wenn sie spüren, dass nichts von ihnen verlangt wird.

Was viele Eltern überrascht

Die Übungen wirken auch dann, wenn Kinder herumzappeln, lachen oder nicht alles „richtig“ machen. Denn Regulation entsteht nicht durch Perfektion. Sondern durch:

  • gemeinsame Ruhe
  • langsameres Tempo
  • Körperwahrnehmung
  • und die sichere Verbindung zu dir.

Kinder brauchen oft keinen perfekten Rahmen, um zur Ruhe zu kommen. Sie brauchen einen ruhigen Menschen neben sich. Und manchmal merken wir Erwachsene dabei, dass unser eigenes Nervensystem genau das auch gebraucht hat.

Wenn du die Übungen nicht jedes Mal neu vorlesen möchtest, kannst du dir die kleine Waldreise mit allen Tierübungen kostenlos herunterladen – zum gemeinsamen Mitmachen nach der Schule.

Wann Kinderyoga besonders wirksam ist – und wann nicht

Kinderyoga nach der Schule wirkt oft am besten mit etwas Abstand zum Ankommen. Ideal sind etwa 20 bis 30 Minuten später – nach einem kleinen Snack und nachdem der erste Hunger gestillt ist.

Direkt nach der Schule ist das Nervensystem vieler Kinder noch zu angespannt und voller Eindrücke.

Wichtig zu wissen: Kinderyoga ist keine Lösung mitten im akuten Wutanfall.

Wenn ein Kind gerade völlig überfordert ist, braucht es zuerst Co-Regulation ( Nähe, Ruhe, Sicherheit).

Auch ein: „Ich will nicht!“ bedeutet oft nicht, dass die Übungen „nicht funktionieren“. Manchmal zeigt das Kind damit einfach:  „Mein Körper ist gerade voll.“ Kinderyoga ersetzt deshalb keine emotionale Begleitung.

Es ist eine Unterstützung für den Körper. Ein Weg, dem Nervensystem zu helfen, langsam wieder in einen Zustand zu kommen, in dem Verbindung, Gespräch und Ruhe überhaupt erst möglich werden.

Warum solche Kinderyogaübungen langfristig so wichtig sind

Kinderyoga wirkt nicht nur in dem Moment. Wenn Kinder regelmäßig lernen, ihren Körper bewusst wahrzunehmen, entsteht etwas viel Größeres: Körpergefühl.

Kinder merken dann früher:

  • wann ihnen etwas zu viel wird
  • wann sie müde oder angespannt sind
  • wann sie Ruhe brauchen
  • oder wann ihr Körper Sicherheit sucht

Genau diese Fähigkeit begleitet sie oft ein Leben lang. Denn viele Erwachsene haben verlernt, auf ihren Körper zu hören.
Sie bemerken Stress oft erst, wenn Bauchschmerzen, Erschöpfung oder innere Unruhe längst da sind.

Kinder, die früh lernen:
„Mein Körper sendet mir Signale.“
 „Ich darf sie ernst nehmen.“

entwickeln häufig ein stärkeres Gefühl für ihre eigenen Grenzen, Bedürfnisse und Emotionen.

Und genau das ist die Grundlage für spätere Selbstregulation:
nicht perfekt funktionieren — sondern sich selbst rechtzeitig wahrnehmen.

Bärenschmausi’s NaturPost

Zweimal im Monat teile ich praktische Erkenntnisse aus Entwicklungspsychologie, Nervensystem und Familienalltag – leicht verständlich und genau dann, wenn man sie im Alltag wirklich brauchen kann.

Über die Autorin 

Ich bin Vanessa, Mama eines Kleinkindes, und beschäftige mich intensiv mit kindlicher Entwicklung, Stress und emotionalem Verhalten im Alltag. Auf diesem Blog bereite ich Erkenntnisse aus Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung verständlich auf und verbinde sie mit meinen eigenen Erfahrungen als Mutter. Mein Fokus liegt auf Kindern im Alter von 5 bis 8 Jahren, da hier viele emotionale Herausforderungen erstmals sichtbar werden. 

Häufige Fragen zu Kinderyoga 

Ab welchem Alter ist Kinderyoga geeignet? 

Kinderyoga ist ab 4 Jahren grundsätzlich möglich, besonders wirksam ist es für Kinder zwischen 5 und 8 Jahren. In diesem Alter können Kinder Körperpositionen bereits bewusst halten und erste Verbindungen zwischen Atem und Bewegung herstellen.  

Wie lange sollte eine Kinderyoga-Einheit nach der Schule dauern? 

10 bis 15 Minuten sind nach der Schule ideal. Kürzere Einheiten überfordern die Konzentration nicht und passen gut in den Nachmittagsrhythmus, besonders wenn das Kind noch hungrig oder müde ist. 

Brauche ich als Elternteil Yoga-Erfahrung für Kinderyoga? 

Nein. Die hier beschriebenen Tierübungen sind ohne Vorkenntnisse durchführbar. Entscheidend ist nicht die perfekte Ausführung, sondern das gemeinsame Erleben – das Kind spürt, dass du dabei bist. 

Kann Kinderyoga bei Stress nach der Schule wirklich helfen? 

Ja. Studien zeigen, dass Yoga-Übungen bei Grundschulkindern den Cortisolspiegel senken und die Konzentrationsfähigkeit verbessern können (Butzer et al., 2016). Besonders Atemübungen wie die Krokodil-Pose aktivieren das parasympathische Nervensystem und helfen, den Schulstress physiologisch abzubauen. 

Was ist der Unterschied zwischen Kinderyoga und normalen Entspannungsübungen? 

Kinderyoga verbindet Bewegung, Atem und Körperwahrnehmung in einem Schritt. Normale Entspannungsübungen arbeiten oft nur mit einem Element. Für Kinder im Grundschulalter ist die Kombination besonders wirksam, weil der Körper als Ankerpunkt dientetwas, das Kinder in diesem Alter besser verstehen als abstrakte Atemanleitungen. 

Quellenangaben 

Butzer, B., Bury, D., Telles, S. & Khalsa, S. B. S. (2016). Implementing yoga within the school curriculum: A scientific rationale for improving social-emotional learning and positive student outcomes. Journal of Children's Services, 11(1), 3–24. 

Siegler, R. S., DeLoache, J. S. & Eisenberg, N. (2016). Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter (4. Aufl.). Springer. 

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). (2020). Gesunde Kinder – gesunde Familien. https://www.bzga.de 

Letzte Aktualisierung: Mai 2026 

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